nur Kultur pur

«Zürich tanzt» serviert Tanzmenü zum Raunen und Staunen

(Foto: Patrick Lander)

Sie tanzen zum Geräusch von zerbrechender Eierschale. Sie zertreten Eierschalen auf der Bühne. Sie tanzen während 40 Minuten mit Augenbinde. Das Duo von «Cascas d’Ovo», (portugiesisch Eierschale) ist ein Spiel mit der menschlichen Kommunikation – dem Publikum verschlägt es die Sprache. Es knistert auf der Bühne, es knistert auch zwischen den beiden Tänzern Lander Patrick und Jonas Lopes. Zum Schluss lässt «Cascas d’Ovo», das «Eierschalen»-Duett, sämtliche Körperhüllen fallen. Zuvor machen die beiden Kinderspiele wie «Schere, Stein, Papier» zu ihrer Choreografie. Das Publikum wird Zeuge, wie die blinden Tänzer ihre Kommunikationsstrategien auf der Bühne entwickeln. Das Duo spielt mit allen Sinnen – sinn-los und sinn-voll. Sie singen, schnalzen, seufzen. Sie stossen gegeneinander, springen einander an, um sich im nächsten Moment zu liebkosen. Sie rauchen blind eine Versöhnungszigarette – dem Ritual geht erst eine tastende Suche nach dem verlorenen Glimmstängel voraus. Ein simpler Handschlag wird mit «Cascas d’Ovo» zum Meisterwerk.

 

«You think this is beauty. This is the rest of it.» Eine Choreografie, die schockiert, gleichzeitig berührt zeigt «La Macana». Die Tanzkompanie aus Spanien, von Caterina Varela und Alexis Fernández gegründet, dreht sich um Reize, auf die der Körper reagiert. Er geht auf ihren Händen, springt auf ihren Rücken. Er verliert seine roten Turnschuhe. Sie trägt ihn auf ihren Armen weg. Das Markenzeichen von «La Macana» ist das Zusammenspiel von verschiedenen Tanzelementen und künstlerischer Elemente der Street-Art. Eine Bewegungssprache, die sich selbst autorisierte Zeichen im eigenen Körperraum setzt: ineinander, übereinander, sich winden, abstossen und bezirzen. Ein Zusammenspiel von Bewegung und Körper, das über die physikalischen Grenzen geht.

 

Ein Tanz gegen die Schwerkraft. Es scheint, als ob die vier Breakdancer unter Wasser tanzen: schwerelos, fliessend, kraftvoll. Die Bühne ist in blaues Licht getaucht. Die Tänzer tauchen zu sphärischen Musikklängen im Bühnenlicht auf, um das Publikum mit Kraft und Dynamik zu erobern. «Netz» ist eine gemeinsame Choreografie von vier Zürcher Breakdancern. Sie zeigt jeden der Tänzer in seiner Individualität, seiner Art den Körper zu beherrschen. Drehungen um jede beliebige Achse versetzen die Körper – und das Publikum – in eine neue Sphäre. Mit «Netz» erzählen die Breakdancer vom Vernetzen – davon sich innerhalb und ausserhalb des Köpers zu verbinden und dadurch Netzwerke entstehen lassen. Einer der vier Breakdancer ist Buz (der Schweizer Björn Meier), der sich mit Jugendprojekten für die Weiterentwicklung der Zürcher Breakdance-Szene einsetzt. «Netz» gibt im Schiffbau einen starken Eindruck dieser Breakdance-Welt.

 

Die fünf Tänzer von «Whirling» suchen konstant danach, ihre physischen Grenzen zu überschreiten und mit diesen zu spielen. Sie versprühen Energie, um diese im nächsten Augenblick wieder für sich selber zu gewinnen: Sprünge und Drehungen aus der Körperachse heraus, die an Kampftanz erinnern. Die Tänzerinnen und Tänzer konfrontieren sich gegenseitig, wirbeln herum, um sich liebevoll anzunähern. Die fünf Tänzerinnen und Tänzer drehen kräftig auf (auf Englisch «whiling», nicht zu verwechseln mit «Whirling»). «Whirling» ist ein Stück der Choreografin Eléonore Valère Lachky aus Belgien, das mit Tempo die Freude an der Bewegung erzählt.

 

Der Eröffnungsabend von «Zürich tanzt 2014» fand am 2.5.14 im Schiffbau statt. Das gesamte Programm zu «Zürich tanzt 2014»:

http://www.zuerichtanzt.ch/programm-2014/2014-05-02/#.U2WLhMZhX3k

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