nur Kultur pur

Liebesgrüsse aus Havanna

(Foto: Thomas Ammerpohl)

 

Sie beschwören die Dämonen der Erotik. Sie entwerfen Körperbilder, wie Korallenlandschaften. Sie tanzen leidenschaftlich den Mambo, der aus der Reihe tanzt.

Die Danza Contemporánea de Cuba zeichnet in Zürich drei Einblicke in die Kultur ihres Heimatlandes Kuba: feurig, fulminant, farbenfroh. In „Demo-N/Crazy“ des spanischen Choreografen Rafael Bonachela lässt der Dämon der Erotik die Tänzerkörper beben, erzittern und zwischen Zärtlichkeit und Gewalt taumeln. In Paarkonstellationen zeichnet das Ensemble entgegengesetzte Bilder von Liebe und Hass. Die Körper ziehen sich an, um sich im nächsten Augenblick wieder abzustossen. Zwei Tänzer zeigen mit Pathos ein Duett zu Jacques Brels Chanson „Ne me quitte pas“. Es ist nicht der einzige Moment, der beim Publikum für Gänsehaut sorgt.

Tanzen gehört zur Lebensart ihres Heimatlandes und diese Leidenschaft prägt auch Kubas wichtigste zeitgenössische Kompanie, die Danza Contemporánea de Cuba. In „Identidad-1“ entwirft Choreograf George Céspedes Körperlandschaften, die an farbenfrohe Korallenriffe erinnern. In Form dieser Körperlandschaften spielt das Ensemble mit Träumen der Zusammengehörigkeit. Die 21 Tänzerinnen und Tänzer beginnen im Gleichschritt. Sie zeichnen ein Bild, in dem alle Körper gleichgeschaltet sind. Doch Schritt für Schritt brechen sie aus dieser Gleichschaltung aus. Sie tanzen aus der Reihe. Sie werden mit ihrer eigenen Persönlichkeit fassbar. In beinahe fanatischer Perfektion bewegen sich die Tänzerinnen und Tänzer: Körper wie im Schüttelbecher, im Spiel mit und gegen die Erdanziehung, bebend vor Leidenschaft.

Hauschoreograf George Céspedes erzählt in seinen Arbeiten von Individuen, die von einem gemeinsamen Leben träumen. Rote Kragen zieren die Kostüme und deuten als Signal auf die Zugehörigkeit zur kommunistischen Gemeinschaft Kubas hin. Inmitten bedächtiger Stille heben drei Tänzer eine Tänzerin empor – wie ein Revolutionsdenkmal. Die Choreografie „Mambo 3XXI“ ist eine Kampfansage: Sie wirft einen Blick in die Zukunft des kubanischen Tanzes. Das Ensemble kombiniert klassische Mambo-Schritte mit Streetdance-Elementen. Sie brechen mit sämtlichen Konventionen, tanzen Mambo-Schritte zum Rhythmus von Elektronikmusik und spielen mit den Geschlechterrollen. Sie trägt ihn auf Händen, er katapultiert sie in die Luft. Zu zweit, zu dritt, aber auch alleine tanzen sie den Mambo mit jeder Faser ihrer muskulösen Körper. Sie erfinden an diesem Abend den Mambo neu.

Die Danza Contemporánea de Cuba blickt auf eine über 50-jährige Geschichte zurück. Gegründet 1959, im Jahr der kubanischen Revolution, ist sie eine der traditionsreichsten Kompanien des Landes, die ihr Repertoire aber nicht auf kubanische Traditionen beschränkt. Technische Perfektion verknüpft die Kompanie auf allen Sinnesebenen mit intensiven Gefühlen. Die Liebesgrüsse aus Havanna sind in Zürich angekommen, Die Kubaner haben sich mitten in die Herzen des Publikums getanzt.

Beitrag: Sulamith Ehrensperger

 

(Foto: Thomas Ammerpohl)

(Foto: Thomas Ammerpohl)

 

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